Folge 45: Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“

Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ (hier in der Ausgabe vom Suhrkamp Verlag)

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.“ So beginnt eine der rätselhaftesten Erzählungen der Literaturgeschichte: Franz Kafkas Die Verwandlung.

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Folge 44: Svenja Flaßpöhlers Sachbuch „Sensibel“

Svenja Flaßpöhlers Sachbuch „Sensibel“

Wie kamen wir vom sich mit den Fingern schnäuzenden, mordenden und an brutalen Ritterturnieren teilnehmenden Johann im 11. Jahrhundert zum gendernden, einfühlsamen und sensiblen Vegetarier und Gymnasiallehrer Jan? Diese Frage führt Svenja Flaßpöhler in ihrem neuen Buch Sensibel in eine umfassende Philosophiegeschichte der menschlichen Sensibilität und Empathie. Zwar stehe das sensible Ich stellvertretend für einen bedeutenden zivilisatorischen Fortschritt, so Flaßpöhler, jedoch zeige sich gerade in den kontroversen Debatten unserer Gegenwart, dass Sensibilität häufig als Schwäche wahrgenommen werde.

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Folge 43: Sarah Jägers Roman „Die Nacht so groß wie wir“

Sarah Jägers Roman „Die Nacht so groß wie wir“ (erschienen im Rowohlt Verlag, hier die Kindle-Ausgabe)

Die Freund*innen Suse, Pavlow, Maja, Tolga und Bo haben gerade Abi gemacht und stehen nur noch einen Schritt vor dem Erwachsenenleben. Pavlow schlägt vor, den letzten gemeinsamen Abend zu nutzen, um sich den eigenen „Ungeheuern“ zu stellen, um so „wiedergeboren“ zu werden. Die Nacht läuft mächtig aus dem Ruder und die fünf müssen feststellen, dass ihre Freundschaft Risse hat und dass eine Menge Unausgesprochenes zwischen Ihnen steht.

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Folge 42: Dave Eggers‘ Roman „Every“

Dave Eggers‘ Roman „Every“ (in der Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann erschienen bei Kiepenheuer & Witsch)

Dave Eggers landete 2013/2014 mit der dystopischen Erzählung Der Circle einen internationalen Bestseller. Jetzt ist der Nachfolger Every erschienen und darin begegnen wir wieder der Protagonistin Mae Holland, die mittlerweile zum CEO eines Tech-Super-Unternehmens mit dem Namen The Every geworden ist, nachdem The Circle den größten Online-Versandhändler (der nach einem Fluss in Südamerika benannt ist – zwinker, zwinker) geschluckt hat.

Dieses Mal schickt sich die Tech-Skeptikerin und ehemalige Nationalpark-Rangerin Delaney Wells als Protgaonistin zusammen mit ihrem guten Freund Wes Kavakian an, das übermächtige Unternehmen von Innen zu zerstören. Delaney und Wes versuchen mit immer abstruseren App-Ideen einen öffentlichen Widerstand gegen The Every zu formieren, der jedoch ausbleibt. Denn die Menschen feiern jede noch so absurde Einschränkung ihrer Privatsphäre, ihrer Selbstbestimmung und ihrer Individualität.

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Folge 41: Maxim Billers Roman „Der falsche Gruß“

Maxim Billers Roman „Der falsche Gruß“

Maxim Biller thematisiert in seinem neuen Roman Der falsche Gruß eine Vielzahl an kontroversen Themen: Satirisch blickt er auf den Berliner Literaturbetrieb, chiffriert Täter- und Opferrollen bis zu Unkenntlichkeit, und erzählt von Eitelkeit und Narzissmus, von Antisemitimus und vom Umgang mit dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte in einer Gegenwart, die dieses nur noch als Fiktion wahrnimmt.

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Folge 40: Nicole Seiferts Sachbuch „Frauenliteratur“

Nicole Seiferts Sachbuch „Frauenliteratur“

Selten gab es in meinem Podcast für mich einen so klaren Lebensweltbezug wie in dieser Woche. In meinem Deutsch-Leistungskurs wünschten sich die Studierenden zu Beginn des Schuljahres, dass sie gerne mehr Literatur von Frauen lesen möchten. Das nahm ich zum Anlass, meinen eigenen Unterricht, meine Textauswahl und auch meine Bewertungsmaßstäbe für Literatur kritisch in den Blick zu nehmen. Dabei stieß ich auf Nicole Seiferts (@nachtundtag.blog) Buch „Frauenliteratur“ (erschienen bei @kiwi_verlag), das sich mit der systematischen Geringschätzung, Abwertung und Unterdrückung weiblichen Schreibens auseinandersetzt. Dass das nicht an der mangelnden Quantität und schon gar nicht an der fehlenden Qualität der Literatur von Autorinnen liegen kann, zeigt Nicole Seifert genauso auf wie die Tatsache, dass das historisch gewachsene System aus männlich dominierter Literaturkritik, Literaturgeschichtsschreibung und Lehrplangestaltung eine nachhaltige Sichtbarmachung von Frauen im Literaturbetrieb konsequent behindert.

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Interview mit Bozena Badura vom Literaturpreis „Das Debüt“

In diesem Jahr bin ich erstmals Jury-Mitglied bei „Das Debüt“, einem kleinen (aber feinen) Literatupreis, bei dem Literatur-Bloggerinnen und -Blogger über ihren Debütroman des Jahres abstimmen. In dieser Folge ist daher Bozena Badura zu Gast, die den Preis 2016 gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen Janine Hasse und Sarah Jäger ins Leben gerufen hat. Bozena erzählt im Interview, wie der Preis entstanden ist, wie er vergeben wird und verrät auch ihre persönlichen Highlights aus sechs Jahren „Das Debüt“.

Bozena Badura, Mitbegründerin des Literaturpreises „Das Debüt“
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Folge 39: Leila Slimanis Roman „Das Land der Anderen“

Leila Slimanis Roman „Das Land der anderen“

Leila Slimani erzählt im ersten Teil der als Trilogie angelegten Marokko-Reihe eine fiktionalisierte Version des Lebens ihrer Großmutter Anne: Die junge Französin Mathilde verliebt sich in den marokkanischen Soldaten Amine, der im Dienst der französischen Armee 1944 gegen die deutschen Besatzer kämpft. Die beiden heiraten und gehen gemeinsam nach Marokko, wo Amine die Farm seines Vaters geerbt hat.

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Folge 38: Douglas Stuarts Roman „Shuggie Bain“

Douglas Stuarts Roman „Shuggie Bain“ (in der Übersetzung von Sophie Zeitz erschienen bei Hanser Berlin)

Glasgow in den 1980er Jahren: Der einstige Wirtschaftsstandort leidet unter den Reformbemühungen der Thatcher-Regierung und leidet an Arbeitslosigkeit, Armut und moralischem Verfall. Der sechsjährige Shuggie lebt mit seinen beiden Geschwistern, seinem Macho-Vater „Big Shug“ und der alkoholkranken Mutter Agnes auf engstem Raum. Als erst der Vater, später dann auch die Geschwister die Familie verlassen, wird Shuggie der letzte Anker für seine Mutter. Aufopferungsvoll und mit unbändigem Optimismus kämpft er für sie einen bereits verlorenen Kampf. Dabei ringt er um seine eigene Identität und sieht sich als feinfühliger und empathischer Junge einer toxisch-männlichen Umwelt gegenüber. Stuart erzählt in seinem Romandebüt Shuggie Bain in opulenter Sprache eine triste und abgründige Geschichte, die einen in die dunklen Tiefen des Mensch-Seins hinabzieht.

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Folge 37: Louise Erdrichs Roman „Der Nachtwächter“

Louise Erdrichs Roman Der Nachtwächter

North Dakota im Jahr 1953: Im Reservat der Turtle Mountain Band of Chippewa kämpft Thomas Wazhashk, seines Zeichens Nachtwächter in der örtlichen Lagersteinfabrik, nicht nur gegen seine eigene Müdigkeit, sondern auch gegen das geplante Terminationsgesetz der US-Regierung, das seinem Stamm die Lebensgrundlage nehmen und seine Kultur auslöschen würde. Er schreibt Briefe an mögliche Unterstützer, lässt Unterschriften sammeln und organisiert finanzielle und argumentative Grundlagen für eine Anhörung in Washington. Seine Nichte Patrice, die alle nur Pixie nennen, ist derweil auf der Suche nach ihrer Schwester Vera, die in der weißen Großstadt verschwunden ist und nur ihr Baby zurückgelassen hat.

Louise Edrich erzählt in ihrem mit dem Pulitzer Preis 2021 ausgezeichneten Roman Der Nachtwächter nicht nur die Geschichte ihres Großvaters, sondern setzt sich auf eindrückliche Weise mit Fragen der Identität, der Selbstbestimmung sowie der Rolle der Frau in der indigenen Kultur auseinander.

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