Folge 9: Robert Seethalers Roman „Der letzte Satz“

Robert Seethalers neuster Roman „Der letzte Satz“

In der neuten Folge meines Literatur-Podcasts spreche ich über Robert Seethalers neusten Roman „Der letzte Satz“: Der Komponist und Dirigent Gustav Mahler befindet sich 1910 auf einer Schiffsreise von Amerika nach Europa. Er hat gerade in New York seine letzten großen Konzerte gegeben und er weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, da er schwer erkrankt ist. An Deck des Dampfers sinniert Mahler nun sehr schwermütig und melancholisch über sein Leben, seine Ehe mit seiner Frau Alma und die Bedeutung seiner Existenz. Die zentrale Frage des Romans („Was bleibt, wenn man endgültig geht?“) betrachtet Seethaler in seinem Roman in aller Kürze, aber dennoch – trotz einiger Anflüge von Klischeehaftigkeit – sehr eindringlich.

Zu Robert Seethaler

Robert Seethaler ist ein österreichischer Autor, geboren 1966 in Wien. Bekannt ist er nicht nur für seine Romane, sondern auch als Drehbuchautor und Schauspieler. Im deutschsprachigen Raum erlangte er eine gewisse Bekanntheit für die Rolle des Rechtsmediziners Dr. Kneissler in der TV-Serie „Ein starkes Team“. Seethaler hat mittlerweile sieben Romane veröffentlicht, darunter etwa „Der Trafikant“, „Das Feld“ und „Ein ganzes Leben“. Sein neustes Werk „Der letzte Satz“ erschien Anfang August 2020.

Darum geht’s in „Der letzte Satz“

Hauptfigur von Seethalers Roman ist der Komponist und Dirigent Gustav Mahler, der sich 1910 auf einer Schiffsreise von Amerika nach Europa befindet. Mahler ist schwer krank, fiebrig und insgesamt physisch in einem sehr schlechten Zustand. Während seines Aufenthalts an Deck denkt er melancholisch und schwermütig über sein Leben, seine Karriere, seine Beziehung zu seiner Frau Alma und seiner Familie sowie über die Bedeutung der eigenen Existenz nach.

Meine Bewertung zu Seethalers Roman

Seethalers Mahler-Porträt ist äußerst emotional geworden. Der personale Erzähler reflektiert Mahlers Situation äußerst eindringlich, allerdings wird die Erzählung dabei sprachlich manchmal recht klischeehaft und etwas kitschig. Darüber kann ich als Leser aber gut hinwegsehen, weil es Seethaler gelingt, mich für den Menschen Mahler zu interessieren. Dieser ist im Grunde ein sehr bescheidener, zurückhaltender Mensch, der ungern im Mittelpunkt stehen will und seinem Leben ganz der Kunst verschrieben hat. Die Erwartungen der Wiener Gesellschaft und seiner Familie sind dabei eher störendes Beiwerk. Beruflich geht Mahler immer wieder an die Grenzen und testet diese aus, etwa wenn er Musiker mit seinem Perfektionsdrang in die Verzweiflung treibt. In seinem Privatleben ist Mahler vor allem unsicher: Seine Frau hat eine Affäre mit dem Star-Architekten Walter Gropius und seine Tochter Maria stirbt in jungen Jahren völlig unerwartet.

Am Ende seines Lebens ist Mahler nun zwar nicht verbittert, aber mit etwas Wehmut blickt er schon auf sein Leben zurück. Seethaler schafft es, in seinem Roman diese Reflexion eines großen Mannes einzufangen und auf nur 126 Seiten zu bannen. Gerade zum Ende hin nimmt der Roman Fahrt auf und man ist als Leser traurig, wenn man Mahlers Welt wieder verlassen muss. Wenn man sich auf Mahlers Leid und den traurigen und melancholischen Grundton des Romans einlassen kann, wartet hier ein berührendes (wenn auch sehr kurzes) Lesvergnügen.


Shownotes:

„Der letzte Satz“ beim Hanser Verlag

Das Hörbuch zu „Der letzte Satz“

„Auf ein Buch“ bei Spotify

Gustav Mahlers 9. Sinfonie vom WDR Sinfonieorchester Köln

Wikipedia zu Gustav Mahler

Letzte Woche bei „Auf ein Buch“: Monika Helfers Roman „Die Bagage“

2 Antworten auf „Folge 9: Robert Seethalers Roman „Der letzte Satz““

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