Folge 17: Mercedes Spannagels Roman „Das Palais muss brennen“

Buchcover von Mercedes Spannagels Roman "Das Palais muss brennen"
Mercedes Spannagels Roman „Das Palais muss brennen“

„Luise ist die Tochter der rechtskonservativen Bundespräsidentin Österreichs. Mit ihren Freunden und ihrem Mops, den sie Marx getauft hat, streift sie durch die Straßen Wiens und schmiedet Pläne, die Regierung zu stürzen. Eine Kunstaktion auf dem Opernball soll das Land verändern – doch es läuft nicht ganz so, wie sie es sich gedacht haben. Abgründig, rasant und mit bitterbösem Sprachwitz erzählt Mercedes Spannagel in ihrem Debütroman von der korrupten rechten Elite, die von ihrer rebellischen Brut zu Fall gebracht wird.“ – Fulminant und vollmundig kündigt der Klappentext Mercedes Spannagels Roman Das Palais muss brennen an. Ob der Roman das halten kann, was er verspricht?

Das Palais muss brennen – Ein Debütroman

Mercedes Spannagel ist eine 25-jährige österreichische Autorin, Das Palais muss brennen ist ihr erster Roman. Dieser wurde direkt von Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht, womit Spannagel durchaus für Aufsehen sorgte. Sie hat für ihre literarische Tätigkeit bereits mehrere Jugend- und Förderpreise gewonnen und veröffentlichte bereits einige Texte in verschiedenen Literaturzeitschriften. Zudem wurde Das Palais muss brennen für den österreichischen Buchpreis als bestes Debüt nominiert.

Darum geht es in Das Palais muss brennen

Hauptfigur des Romans ist Luise, die Tochter der österreichischen Bundespräsidentin, die – so heißt es im Roman – einer superrechten Partei angehört. Sie selbst verortet sich am gegenüberliegenden politischen Spektrum und bringt das auch zum Ausdruck, etwa indem sie sich einen Mops kauft, den sie Marx nennt. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Yara zusammen im herrschaftlichen  Amtssitz der „Frau Bundespräsidentin“, wie sie ihre Mutter nennt, dem titelgebenden „Palais“.

Beschrieben wird nun im Roman aus der Ich-Perspektive Luises Leben als Tochter der Bundespräsidentin. Sie versucht sich von ihrer Mutter zu distanzieren und ein eigenes Leben zu leben. Dieser Aspekt wird in Rezensionen und auch von der Autorin selbst als besonders rebellisch verkauft. Im Prinzip lebt Luise aber ein recht vergnügliches Leben, könnte man sagen, sie hat einige Affären, zieht durch Bars und Clubs, nimmt Drogen und ist eigentlich immer unterwegs.

Den anstehenden Wiener Opernball möchte Luise nutzen, um ihre Mutter öffentlich zu diskreditieren. Dazu hat sie eine öffentlichkeitswirksame „Kunstaktion“. Am Ende kommt alles jedoch ganz anders und ihr Leben verändert sich schlagartig.

Ein echter Mutter-Tochter-Konflikt?

Luise ist eine junge Frau, die vor allem in den Tag hinein zu leben scheint. Sie feiert viel, Drogen spielen für sie eine große Rolle und sie probiert sich sexuell aus. Und sie hat sich ziemlich gut mit ihrem Lebensstandard angefreundet hat. Ihre Mutter kommt eigentlich aus ärmlicheren Verhältnisse und hat sich, wie es heißt, „nach oben gearbeitet“.

Eigentlich liegt ja in dieser Mutter-Tochter-Beziehung eine Menge Konfliktpotential. Allein schon wegen der gegensätzlichen politischen Positionen. Jedoch schöpft Mercedes Spannagel dieses Potential nicht aus. Gerade die Figur der Mutter hätte wesentlich kantiger gezeichnet werden können. Fraglos steht fest, dass ihre politischen Ansichten abzulehnen sind. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass es sich um eine sonderlich antagonistische Figur handelt. Gerade die politischen Ansichten spielen im Prinzip keine Rolle, sie werden nicht thematisiert

Das Palais muss brennen ist also kein politischer Roman, obwohl er sich als solcher ankündigt. Die auf dem Klappentext angepriesene Auseinandersetzung „Gut gegen Böse“ findet so nicht statt, es ist mehr ein Kämpfchen. Zweifelsfrei ist die grundsätzliche Thematik brandaktuell, aber ein echter Mutter-Tochter-Konflikt ist kaum zu erkennenLuise und ihre Mutter zicken sich zwar ziemlich an, aber um das wirklich zu entfalten, kommt die Mutter allein schon viel zu selten im Roman vor.

Die Frage nach Luises Rebellion

Der Klappentext von Das Palais muss brennen spricht großspurig von Luises Plänen, die Regierung zu stürzen, von ihrem Ziel, das Land zu verändern. Nur ist das leider nicht das, was im Roman passiert, eher im Gegenteil.

Mit Luises Rebellion ist es nicht besonders weit her. Man könnte ihr Verhalten als rebellisch bezeichnen und zwar insofern, dass sie sich eben ausprobiert und nicht dem erwarteten Rollenbild ihrer Mutter entspricht. Auch ist natürlich ein Mops namens Marx irgendwie ein rebellisches Element. Warum man aber von einer Revolution, einem Sturz sprechen sollte, ist nicht klar. Der Höhepunkt der Revolution ist im Prinzip erreicht, als Luise auf einer konservativen Jagdgesellschaft die Jagdwaffen in den Pool wirft. Das ist aber letztlich viel eher punktuelle Provokation als Rebellion

Dazu hat sich Luise ganz gut in ihrer Welt eingefunden. Sie wirkt ganz zufrieden mit sich und ihrer Rolle und auch mit dem Lebensstandard, der ihr durch die Position der Mutter geboten wird. Sie genießt die vielen Vorzüge und lebt ein sorgenfreies Leben. Die Privilegien sind mannigfaltig: Von der eigenen Köchin, dem edlen Champagner bis hin zu ihrem feudalen Zimmer.

Gerade am Ende des Romans wird dies deutlich, wenn es so scheint, dass die Mutter ihr Amt aufgrund einer Schmiergeldaffäre aufgeben muss. An dieser Stelle ist für Luise nicht klar, wie es für sie weitergehen wird. Und plötzlich kommt fast schon eine Wehmut, eine Melancholie auf. Luise weiß nicht, wie sie ihren Lebensstil weiter aufrechterhalten kann. Der bevorstehende Auszug aus dem Palais wird sogar in großer Detailfülle beschrieben mit einer gewissen Traurigkeit. Aber sollte das nicht genau das sein, was Luise immer wollte? – Die Mutter ist gestürzt, die Rechten müssen das Palais räumen.

Mercedes Spannagels Das Palais muss brennen ist weniger, als es verspricht

Letztlich bleibt offen, was Mercedes Spannagel mit Das Palais muss brennen aufzeigen will. Ähnlich wie in Leif Randts Allegro Pastell wird hier eine recht farblose Generation von Millenials gezeichnet, die sich in ihrem Wohlstand eingerichtet hat. Vielleicht liegt gerade hier der Aussagewert des Buches. Vielleicht ist das Ziel auch einfach Provokation, das hätte – zumindest bei mir – optimal funktioniert.

Womöglich empfiehlt es sich, zunächst mal alle Rezensionen (auch diese hier), Ankündigungen und vor allem den Klappentext zu ignorieren. Man könnte versuchen den Roman Das Palais muss brennen unvoreingenommen zu lesen und so vielleicht einen besseren Zugang zu ihm zu finden. Bei mir war es dafür leider schon zu spät.

Shownotes & Links

Mercedes Spannagels Roman „Das Palais muss brennen“ bei Kiepenheuer & Witsch

Mercedes Spannagel bei Kiepenheuer & Witsch

Interview mit Mercedes Spannagel bei „Literatur im Dorf“

„Auf ein Buch! – Der Literaturpodcast“ bei Spotify

Folge 10 zu Leif Randts Roman „Allegro Pastell“

Eine Antwort auf „Folge 17: Mercedes Spannagels Roman „Das Palais muss brennen““

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